FEEDBACKKULTUR

Die Kunst, Rückmeldungen zu geben und anzunehmen

Eine wertschätzende Feedbackkultur in einer Gruppe zu etablieren, kann sowohl zu einer positiven Gruppendynamik, als auch zur persönlichen Weiterentwicklung beitragen.

Eine solche Kultur kann auf persönlicher Ebene dabei helfen, die eigene Selbsteinschätzung zu überprüfen, sich der eigenen Verhaltensmuster bewusst zu werden und ein stimmiges Selbstbild zu entwickeln. Für eine Gruppe kann sich auf Basis einer Feedbackkultur eine offene Kommunikation entwickeln: um Wertschätzung auszudrücken, die Beziehungsebene zu stärken, Erwartungen explizit zu machen, Missverständnisse aufzuklären oder unterschwellige Konflikte zu lösen. Feedback innerhalb einer Gruppe trägt also dazu bei, sich gemeinsam weiterzuentwickeln, besser zu werden, zu lernen.



Eine Kultur etablieren - Welche Rolle trägt dabei die Gruppenleitung? 

Die Gruppenleitung kann die Feedback- und generelle Kommunikationskultur maßgeblich prägen. Eine verantwortungsvolle Aufgabe mit großem Potential! Sie kann explizit Rückmeldungen zu den einzelnen Lernreisesitzungen einholen, um die Zufriedenheit der Teilnehmenden abzufragen und Lob oder Kritik zu nutzen, um kommende Sitzungen auf die Wünsche der Gruppe abzustimmen.  Feedback ist aber nicht ausschließlich als etwas zu verstehen, das die Teilnehmenden an die Gruppenleitungen richten. Wenn es so einseitig genutzt werden würde (z.B. wie häufig in Uni-Seminaren), dann würde viel Potenzial verloren gehen. Eine Gruppe, die offen und wertschätzend miteinander kommuniziert und Konflikte gemeinsam bearbeitet, kann auf individueller und kollektiver Ebene über sich hinauswachsen.

Du als Gruppenleitung bist Vorbild was sowohl Inhalt, als auch Sprache betrifft: Wenn auch du (innere) Konflikte oder Unsicherheiten vor der Gruppe ansprichst, ist es wahrscheinlicher, dass eine offene und authentische Gesprächskultur entsteht. Wenn du als Gruppenleitung mit dem Seminar einen “Raum” schaffst, in dem sich die Gruppenmitglieder offen zeigen können, gewinnt die Zusammenarbeit an Qualität und es werden Kapazitäten für die inhaltliche Auseinandersetzung frei.

Damit sich eine effektive und wertschätzende Feedbackkultur entwickeln kann, ist es nach unserer Erfahrung hilfreich,  in einer der ersten Sitzungen die gemeinsame Feedbackkultur explizit zu thematisieren und regelmäßig Zeit für Feedback einzuräumen. Beispielsweise kannst du als Gruppenleitung die letzten 10-15 Minuten jeder Vorbereitungssitzung für Feedbackrunden reservieren und auch auf der Reise ein tägliches Feedback-Ritual einführen. Um eine gemeinsame Feedbackkultur zu etablieren, können dir folgende Prinzipien helfen:

 

Prinzipien gelingenden Feedbacks

Es gibt generell zwei Akteursgruppen in Feedbacksituationen. Sender*innen und Empfänger*innen. Der/die Sender*in gibt Auskunft über sich selbst. Der/die Empfänger*in bekommt Rückmeldung zum eigenen Verhalten und der Wirkung auf andere. Beide profitieren  von der Interaktion: Der/die Sender*in trägt dazu bei, besser verstanden zu werden. Der/die Empfänger*in lernt die eigene Wirkung auf Andere besser kennen. Win-win!

 

Ein paar bewährte Hilfsregeln kannst du mit der Gruppe thematisieren:

 

Als Sender*in solltest du… 

  • dein Feedback möglichst zeitnah geben. (Es gilt aber auch: lieber spät, als nie!)
  • deine Beobachtungen neutral und ohne Interpretationen und Wertungen beschreiben.
  • persönliche Wahrnehmungen und Gefühle in Form von Ich-Aussagen äußern (Bsp. “Ich habe mich unwohl gefühlt, als...”).
  • das Feedback möglichst konkret geben, d.h. dich auf bestimmte Situationen oder Aussagen beziehen und mit Beispielen untermauern.

Als Empfänger*in solltest du…

  • aktiv zuhören,
  • auf Rechtfertigungen verzichten,
  • wenn nötig Nachfragen stellen und Beispiele einfordern und 
  • über Veränderungen deines Verhaltens selbst entscheiden. 

Und zuletzt: 

  • Feedback ist immer freiwillig.

Es gibt zwei Formen von Feedback im Kontext Lernreise. Zum einen Feedback in der Gruppe und zum anderen persönliches Feedback, das unter den meisten Umständen unter vier Augen passieren sollte. Du als Gruppenleitung setzt für beide Formen den Rahmen und für beide können die Hilfsregeln wichtig sein. Wir fokussieren in diesem Artikel das Feedback in der Gruppe, da es in Lernreiseseminaren sowie auf der Lernreise erfahrungsgemäß mehr Raum einnehmen wird als das persönliche Feedback, was wir hier nur in aller Kürze thematisieren.

 

Persönliches Feedback anleiten

In den meisten Fällen ist es nicht empfehlenswert, persönliches Feedback im Rahmen einer Plenumssituation einzufordern (außer es handelt sich ausschließlich um positives Feedback). Es ist auch nur begrenzt sinnvoll, als Gruppenleitung spezifische Fragestellungen vorzugeben. Vielmehr geht es darum, einen geeigneten Rahmen zu setzen und ihn für einen klaren Zeitabschnitt zu halten. Als Gruppenleitung kannst du dich also dafür einsetzen,  Zeiten zu deklarieren, in denen sich bewusst Zeit genommen wird, Einzelgespräche zu führen. Du kannst außerdem für eine entspannte Atmosphäre sorgen. Menschen sollten immer die Chance haben, sich zu entscheiden, ob sie in diesem Moment bereit sind, Feedback von einer anderen Person anzunehmen.

Beispiele für mögliche Fragestellungen:

  • Möchtest du Einzelnen im Raum eine persönliche Rückmeldung geben?
  • Möchtest du dich bei jemandem bedanken?
  • Was möchtest du Person X mit auf den Weg geben?

Feedback in der Gruppe

Wie wähle ich als Gruppenleitung Fokus, Fragestellung und Methode des Feedbacks aus?

 

Schritt 1:  Mache dir klar, wozu du Rückmeldungen ermöglichen möchtest 

Möchtest du Feedback zu einer “Sache”, z.b. zur Sitzungsgestaltung, -methoden, -inhalten oder auch zu Raum und Zeit? Oder möchtest du den Raum für das Miteinander öffnen, um Themen in der Gruppe aufzudecken und Lösungswege zu bereiten? 


Feedback zu Inhalten und Seminargestaltung

Als Gruppenleitung trifft man immer eine Auswahl an Inhalten und Methoden - sowohl im Vorhinein, als auch spontan vor Ort. Außerdem schafft man einen zeitlichen und räumlichen Rahmen für das Seminar. Dabei möchte man möglichst alle Wünsche und Bedürfnisse aus der Gruppe einfangen. Um zu überprüfen, ob das gelingt, hat es sich bewährt, am Ende jeder Sitzung ein inhaltsbezogenes Feedback einzuholen. Je nach gewählter Fragestellung und Methode kannst du individuelle oder kollektive Wahrnehmungen und Einschätzungen sichtbar machen.

Feedback zum Miteinander

Durch eine gelingende Feedbackkultur kann eine Gruppe ein wertschätzendes Miteinander fördern und arbeitsfähiger werden. Dabei spielt Feedback innerhalb des Plenums eine besonders große Rolle: Es kann Gruppendynamiken sichtbar machen, (Un)Zufriedenheit mit der Zusammenarbeit aufdecken und zu einer verbesserten Kommunikation verhelfen: “Wie treffen wir in der Gruppe Entscheidungen?”, “Wer macht sich Gehör und wer kommt nicht zu Wort?”, “Haben alle gleichermaßen die Chance, ihre Bedürfnisse zu äußern?” Wenn diese Fragen gemeinsam geklärt werden,  verbessert sich erfahrungsgemäß das Arbeits- bzw. Lernklima in der Gruppe.



Schritt 2: Wähle eine geeignete Fragestellung aus

Je nachdem wie vage oder konkret du die Frage formulierst, so vage oder konkret wird auch das Feedback. Beides kann sinnvoll sein. Bei einer vagen Fragestellung lässt du den Teilnehmenden mehr Freiraum, genau das anzusprechen, was sie beschäftigt. Damit legst du den Fokus eher darauf, Informationen über die Teilnehmenden zu erfahren. Bei einem Plenums-Feedback ermöglicht du ihnen damit, sich in der Gruppe zu zeigen.

  • Beispiel: “In welchen Momenten heute hat dein Herz Sprünge gemacht? Wann hattest du Bauchschmerzen?”

Bei einer konkreten Fragestellung schränkst du den Fokus ein auf einen ganz spezifischen Aspekt. Zum Beispiel möchtest du vielleicht zu einer ganz bestimmten Situation oder Aussage eine Rückmeldung bekommen.

  • Beispiel: “Welche Aspekte unseres Verhaltens während des Schulleitungsgesprächs wollen wir beim nächsten Besuch beibehalten? Was wollen wir nächstes Mal anders machen?”

Wenn du dich dann innerlich entschieden hast, was genau du sichtbar machen möchtest, kannst du dir anschließend eine geeignete Methode überlegen.

Mögliche Fragestellungen zu Inhalten und Seminargestaltung

 

  • Was hast du heute inhaltlich mitgenommen?
  • Inwiefern hatten die Inhalte eine persönliche Relevanz für dich?
  • Inwiefern haben dich die gewählten Methoden zur Erarbeitung von Thema X heute unterstützt bzw. gehemmt?
  • Was möchtest du zu den Faktoren Zeit und Raum sagen?
  • Wie passend waren für dich heute die gewählten Sozialformen (Plenum, Zwiegespräch, Gruppenarbeit, Einzelarbeit)?

Mögliche Fragestellungen zum Miteinander

 

  • Wie zufrieden bin ich mit unserem Arbeitsprozess?
  • Was hat uns bei der Zusammenarbeit eher unterstützt?
  • Was hat die Zusammenarbeit eher erschwert?
  • Wie wurden Entscheidungen getroffen?
  • Wie ging es mir heute persönlich in der Gruppe


Schritt 3: Wähle eine geeignete Methode

Am Ende dieses Artikels findest du ein Sample von Methoden, die sich für verschiedene Feedback-Ziele eignen können. Im Grunde ist es aber so: Methoden gibt es unendlich viele, du kannst hier kreativ werden. Orientieren kannst du dich dabei immer an der Frage, ob die Methode dem Inhalt dient. Außerdem spielt es natürlich eine Rolle, ob die Methode zu dir, der Gruppe und den zeitlichen/räumlichen Umständen passt.

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